Achtsamkeit 2. April 2020

achtsame Begegnungen
Vieles in unserem Miteinander ist in den letzten Tagen komplett anders geworden als es bisher war. Niemand weiß mehr genau, wie man sich verhalten soll wenn man auf dem Weg zur Arbeit einem Menschen begegnet, den man kennt. Soll ich die Straßenseite wechseln, damit der Abstand sicher eingehalten ist? Darf ich stehen bleiben, plaudern, oder wird das zu nah? Das gewohnte kurze Umarmen oder Händedruck ist weggefallen und hinterlässt Leere und Unsicherheit. Dafür grüßen einen auf einmal wildfremde junge Menschen in der Fußgängerzone. Regeln der Begegnung, die wir fast immer automatisch eingehalten haben gelten nicht mehr.
Jetzt müssen wir unsere Begegnungen ganz bewusst gestalten: Wie viel Abstand braucht das Gegenüber, 2 Meter? Reicht ein Meter? Wo stelle ich mich hin in der Schlange, so dass sich die Dame vor mir noch sicher fühlt? Welchen Abstand brauche ich, um mich selber wohl zu fühlen, um meine Aufmerksamkeit ganz der Person zu widmen, die gerade vor mir steht, ganz offen zu sein, für das was sie mir zu erzählen hat?
Was braucht das Gegenüber gerade? Welche Worte muntern sie oder ihn auf, bringen ein bisschen Freude, Harmonie in ihr/sein Leben? Wie viel von meinen Sorgen verträgt das Gegenüber?
Beziehung neu definieren. Was ist überhaupt Beziehung? Ist sie noch da wenn ich den Telefonhörer aufgelegt habe oder wenn ich das Zoom-Meeting beendet habe ?
Hier ist ein Gedicht von Thich Nath Hanh – Beziehung
Du bist ich und ich bin Du
Zeigt sich nicht deutlich, dass wir miteinander verbunden, ineinander verwoben sind?
Du hegst die Blume in Dir, damit ich schön werde.
Ich verwandle den Unrat in mir, damit Du nicht leiden musst.
Ich unterstütze Dich – Du unterstützt mich.
Ich bin auf der Welt, um Dir Frieden zu schenken.
Du bist auf der Welt, um mir Freude zu sein.

Nimm diese Denkanstöße in die Meditation mit. Komm in einen guten bequemen Sitz, richte die Wirbelsäule leicht auch und entspanne Nacken und Schultern. Suche Dir einen Platz wo Dein Blick ruhen kann. Wandere ganz bewusst mit der Wahrnehmung durch Deinen Körper. Richte dann Deine Aufmerksamkeit ganz bewusst die Atmung. Mach ein paar tiefe Atemzüge und beginne dann zu beobachten was im Körper mit jedem Atemzug wahrzunehmen ist.
Wenn vor Deinem inneren Auge ein Wesen eine Person auftaucht, verweile bei der Person. Betrachte die Gefühle, die sich dabei zeigen. Beobachte wie die Gefühle sich verändern, beobachte die Gedanken die sich dabei formen. Was ändert sich wenn Du den Raum mit Liebe und Wohlwollen erfüllst? Welche innere Haltung kannst Du einnehmen, um Eure Begegnung harmonisch zu gestalten? Welche Worte würden diese Person aufmuntern? Bleibe eine Zeit mit Deiner vollen Aufmerksamkeit in der Begegnung und wenn Du merkst es ist genug, kehre zurück zur Atmung.